Mehr als nur Freundschaft: Männer möchten mit befreundeten Frauen Sex

Mehr als nur Freundschaft: Männer möchten mit befreundeten Frauen Sex

Eine Illusion, dass Frau und Mann Freunde sein können, ohne dass Sex dazwischenkommt? Forscher kennen die Antwort.KEYSTONE/IMAGE SOURCE
Eine Illusion, dass Frau und Mann Freunde sein können, ohne dass Sex dazwischenkommt? Forscher kennen die Antwort.KEYSTONE/IMAGE SOURCE
Psychologen untersuchten, was in Köpfen derer vorgeht, die angeblich nur befreundet sind. Sie kommen zum Schluss: Männer sehen in einer solchen Freundschaftsbeziehung auch die Chance auf Sex und Romantik. von Juliette Irmer

Kann es dauerhafte Freundschaft zwischen Männern und Frauen geben, ohne dass dabei Erotik mit im Spiel ist? Die Frage ist so alt wie ungeklärt. Spätestens seit der Liebeskomödie «Harry und Sally» wird diskutiert, ob es zwischengeschlechtliche Freundschaften geben kann.

Der Student der Utah State University fragt Kommilitonen, ob Frauen und Männer Freunde sein können. Die Frauen bejahen die Frage spontan. Die Männer hingegen zögern, lächeln wissend und verneinen. Männer hätten nun einmal bestimmte Gefühle, und sicher, man könne diese verschweigen, aber die Gefühle seien nun mal da.

Die Frauen, mit der Frage konfrontiert, ob sie denn glauben, dass ihre Freunde insgeheim gerne mit ihnen anbändeln würden, gestehen grinsend: «Ja sicher!» Entsprechend betitelt der Student seinen Kurzfilm mit «Warum Männer und Frauen keine Freunde sein können.»

Nutzen und Last der Beziehung

Ein Forscherteam um April Bleske-Rechek von der Universität von Wisconsin-Eau Claire beschäftigte eine andere Frage: Sie wollten herausfinden, welchen Nutzen oder welche Last Männer und Frauen durch eine solche Beziehung erfahren. Sie untersuchten dazu die Freundschaften von mehr als 400 Erwachsenen, die zwischen 18 und 52 Jahre alt waren («Journal of Social and Personal Relationship»).

Bleske-Rechek zufolge sind zwischengeschlechtliche Freundschaften ein noch sehr junges Phänomen in der Stammesgeschichte des Menschen. Deswegen kommen beim Kontakt zum anderen Geschlecht, automatisch und oft auch ungewollt, tief verwurzelte Paarungsstrategien zum Einsatz – die Ergebnisse ihrer Studie bestätigen das.

Während einer ersten Befragung sollten 88 befreundete Paare getrennt voneinander und anonym die Stärke der Anziehungskraft in ihrer Freundschaft beurteilen. Ausserdem sollten die Probanden angeben, ob sie sich ein romantisches Rendezvous mit ihrem Freund vorstellen könnten. Das Ergebnis: «In den meisten Fällen existierte wenigstens ein Minimum an Anziehung zwischen den Männern und Frauen, selbst wenn beide beteuert hatten, dass ihre Freundschaft rein platonisch sei», sagt Bleske-Rechek. Vor allem die Männer fühlten sich von ihren Freundinnen angezogen und zeigten sich bei dem Gedanken an ein mögliches Tête-à-Tête sehr angetan. Die Freundinnen waren weniger begeistert. «Männer sind darauf programmiert, sich keine sexuelle Gelegenheit entgehen zu lassen», sagt Bleske-Rechek. Frauen hingegen seien wählerischer. Dahinter stecke eine einfache evolutionsbiologische Annahme: Ein Mann, der mit 20 Frauen schläft, produziert sehr wahrscheinlich mehr Nachkommen als ein Mann, der nur mit einer Frau schläft. Eine Frau hingegen, die mit 20 Männern schläft, wird nicht unbedingt mehr Babys gebären, als eine Frau mit nur einem Sexpartner.

Unterschiedliche Funktion

David Buss von der University of Texas ist einer der Hauptvertreter der sogenannten evolutionären Psychologie, also dem Forschungszweig, der das Verhalten des Menschen mithilfe der Erkenntnisse aus der Evolution erklärt. Buss bestätigt gegenüber der az: «Für Männer und Frauen hat eine solche Freundschaft eine unterschiedliche ‹Funktion›. Frauen suchen eher Schutz, Hilfe und einen Platzhalter. Für Männer bedeutet eine solche Freundschaft auch die Chance auf Sex und Romantik.»

Bleske-Rechek und ihre Kollegen führten eine weitere Befragung durch. Die Teilnehmer waren ebenfalls mit einer Person des anderen Geschlechts befreundet, waren aber zudem liiert. Die Probanden sollten die Vor- und die Nachteile einer zwischengeschlechtlichen Freundschaft aufzählen sowie die eigene Liebesbeziehung analysieren. Alle Befragten zählten mehr Vor- als Nachteile auf. Männer wie Frauen schätzen besonders den «Einblick in die Gedankenwelt des anderen Geschlechts». Die Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern empfanden viele Teilnehmer als eher hinderlich für ihre Freundschaft. Die Psychologen erkannten folgenden Zusammenhang: Je mehr sich die Probanden von ihrem Freund oder ihrer Freundin angezogen fühlten, desto unzufriedener waren sie in ihrer Partnerschaft.

Partnerschaft leidet darunter

Unklar ist, was Ursache oder was Wirkung ist. «Entweder übt die Anziehungskraft eines Dritten einen schlechten Einfluss auf die bestehende Partnerschaft aus», so Bleske-Rechek, «oder aber Menschen in einer unglücklichen Partnerschaft schauen sich nach einem anderen potenziellen Partner um.» Eine Freundschaft zwischen den Geschlechtern mag schwierig sein, unmöglich ist sie nicht: «Natürlich können Frauen und Männer ‹nur Freunde› sein», sagt Buss, «für Männer ist es nur ein bisschen schwieriger als für Frauen.»
(az Aargauer Zeitung)

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